E-Moderation

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E-Moderation im Rahmen von Blended-Learning-Arrangements in der Lehre

Der Begriff der E-Moderation umfasst die Begleitung und Unterstützung von computergestützten Kommunikationsprozessen z.B. im Rahmen der Arbeit mit einer virtuellen Lernumgebung. An der MLU wird beispielsweise die Lernplattform ILIAS neben der Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen, auch zur Umsetzung von Blended-Learning-Arrangements genutzt. Insbesondere bei dem damit verbundenen Wechsel von Präsenz- und E-Learningphasen ist eine gezielte Online-Betreuung sehr wichtig, um die Studierenden in ihrem Selbstlernprozess sowie der Koordinierung von kollaborativen Lernszenarien zu unterstützen. Dies geht einher mit dem veränderten Rollenverständnis des Lehrenden, welcher zum Begleiter von Lernprozessen wird. Neben fachlichen, strukturellen und organisatorischen Aspekten steht dabei auch die Motivation der Lernenden im Vordergrund. Gerade beim Einsatz von Online-Foren in der Lehre ist der Einsatz eines oder mehrerer E-Moderatoren zu empfehlen, da ohne Begleitung oft die Beteiligung im Forum eher gering ist und der durch das Forum erhoffte Mehrwert nicht erzielt werden kann. Aber auch bei synchronem Medieneinsatz, z.B. einem Chat oder Videokonferenz, ist die Begleitung des Kommunikationsprozesses im virtuellen Raum eine wichtige Voraussetzung des Gelingens.

Da in der Lehre das Konzept der tutoriellen Betreuung durch Studierende bereits bekannt ist, kann dieses bewährte Prinzip der studentischen Unterstützung auch auf die E-Moderation angewandt werden, so dass neben dem Lehrenden auch ein Tutor die Funktion eines Online-Moderators übernehmen kann.

Kompetenzen und allgemeine Aufgaben von E-Moderatoren

Die Aufgaben eines E-Moderators und die daraus ableitbaren erforderlichen Kompetenzen können je nach konkreten Einsatzszenario variieren.

Kompetenzbereiche

Busch und Mayer (2002)[1] geben vier wichtige Kompetenzbereiche für die Tätigkeit eines Online-Coach an, die auch auf einen E-Moderator übertragen werden können.

Kompetenzbereich Beispiele für die Anwendung im Rahmen der E-Moderation
Fachkompetenz
  • Ansprechpartner mit Überblicks- und Detailwissen
  • Austausch zwischen Lernenden und Fachexperten vermitteln
  • inhaltliche Anstöße und Zusammenfassungen geben
Methodisch-didaktische Kompetenz
  • Unterstützung des selbstgesteuerten Lernens
  • didaktischen Mehrwert von multimedialen Lernszenarien sinnvoll in der Praxis umsetzen (siehe dazu auch die Grundlagen zur E-Didaktik)
  • Erfüllung der Vorbildrolle und der Rolle des Lernbegleiters
Sozialkompetenz
  • "kommunikative Kompetenz, insbesondere schriftliche Ausdrucksfähigkeit"
  • Einsatz individueller und gruppenspezifischer Motivationsmethoden
  • Unterstützung des kollaborativen Lernens und Steuerung von gruppendynamischen Prozessen
Medien- und technische Kompetenz

5 Stufen-Modell nach Gilly Salmon

Der E-Moderator hat die Aufgabe, die Lernenden in den verschiedenen Phasen des Online-Lernprozesses zu unterstützen. Dabei können nach Gilly Salmon (2000)[2] folgende fünf Stufen unterschieden werden, die jeweils wieder spezifische Anforderungen an den E-Moderator stellen:

Stufenmodell mögliche Aufgaben des E-Moderators
Stufe 1: Zugang und Motivation
  • Unterstützung der Lernenden zu Beginn des Online-Kommunikationsprozesss mit einem einfachen Zugang zur Lernplattform
  • Begrüßung der Lernenden und Initiierung einer Vorstellungsrunde
  • Ermutigung und Motivierung der Lernenden
Stufe 2: Online-Sozialisierung
  • Lernende beim gegenseitigen Kennenlernen und den ersten Schritten mit der virtuellen Lernumgebung unterstützen
  • Gruppenbildung online umsetzen
  • gemeinsame Regeln für den Onlinekommunikationsprozess festlegen
Stufe 3: Informationsaustausch
  • inhaltliche Arbeit unterstützen
  • Fragen beantworten, Zusammenfassungen und Denkanstöße geben
  • Anregung des fachlichen Austausches auch der Lernenden untereinander
Stufe 4: Wissenskonstruktion
  • aktiven und intensiven Austausch zwischen den Teilnehmern fördern
  • Förderung der gemeinsamen Konstruktion des Wissens (z.B. durch Einsatz kollaborativer Tools wie Wiki oder Mindmap-Programm)
  • ggf. kann die Moderatorrolle an einen oder mehrere Lernende übergeben werden
Stufe 5: Entwicklung
  • Abschluss des Diskussionsprozesses
  • Hinweise auf weitere Vertiefungsmöglichkeiten in die Thematik

Auch diese Aufgaben varrieren wieder je nach der konkreten Rolle des E-Moderators in dem jeweiligen Einsatzszenario. So können einige der Prozesse beispielsweise auch in den Präsenzphasen ablaufen.

Neben den oben aufgeführten Aufgaben kommen oft auch organisationale Aufgaben hinzu, die im Tätigkeitsfeld des E-Moderators liegen können, damit beispielsweise gesetzte Termine fristgerecht von den Kursteilnehmern eingehalten werden.

Konkrete Einsatzbeispiele

Im nachfolgenden werden konkrete Beispiele für die Aufgabenfelder eines E-Moderators in Bezug auf synchrone und asynchrone Kommunikationsmedien und Umsetzungsmöglichkeiten in Stud.IP und ILIAS vorgestellt.

E-Moderation im Forum

Claudia Bremer hebt in ihrem "Text zur eModeration" folgende Hauptaufgaben für den Moderator eines Forums hervor:

  • Diskussionen eröffnen und durch neue Denkansöße am Laufen halten
  • Inhalte der Forendiskussionen zusammenfassen und Zwischenstände an die Beteiligten rückmelden
  • bei Bedarf Studierende zur Beteiligung im Forum aufrufen
  • "Wahrung und Einhaltung der Kommunikationsregeln"

Die Regeln zur Kommunikation, die für alle Beteiligten transparent dargelegt werden müssen, können sich auf verschiedene Bereiche beziehen. Zum Beispiel sollten die Studierenden in Bezug auf ihr soziales Verhalten im Forum auch bestimmte Regeln einhalten, die bei Missachtung vom Moderator angesprochen oder eventuell kann auch der betreffende Beitrag zensiert oder gelöscht werden. Außerdem gilt es in diesem Zusammenhang auf die allgemeinen Regeln für das Geben und Nehmen von Feedback hinzuweisen.

Weitere Vereinbarungen, die mit den Kursteilnehmern getroffen werden können, können sich beispielsweise auch auf den Inhalt der Beiträge (z.B. Vorgabe von Leitfragen bei der Durchführung eines Peer-Reviews im Forum), die Form der Beiträge (Länge, das Anlegen eines neuen Themas etc.) und die gesamte zeitliche Organisation (gibt es einen zeitlichen Rahmen für die Erstellung der Beiträge?) beziehen.

Eine weitere Aufgabe des E-Moderators könnte u.a. auch die Unterstützung bei technischen Fragen betreffen. Dabei wiederrum hilft das E-Learning-Support-Team (support@elearning.uni-halle.de) bei Problemen in der Nutzung von Stud.IP und ILIAS.

Umsetzung in ILIAS

Das Forum der Lernplattform ILIAS bietet verschiedene Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, die den E-Moderator unterstützen können. Die Rolle des Moderators im Forum wird dabei zunächst automatisch dem Ersteller des Forums (d. h. in der Regel der Kursadministrator) zugewiesen. Es besteht aber die Möglichkeit über den Reiter "Moderatoren" einen anderen ILIAS-Nutzer z. B. einen Studierenden oder Tutor als Moderator hinzuzufügen (siehe Abbildung 1 und 2). Mehreren Benutzern kann so die Rolle des Moderators zugewiesen und jederzeit auch wieder entzogen werden (siehe Abbildung 3).

Einen Überblick über die der Rolle des Moderators im ILIAS-Forum zugewiesenen Rechte sind über den Reiter "Rechte" einsehbar (siehe Abbildung 4), können aber auch entsprechend vom Kursadministrator angepasst werden. Standardmäßig hat der Moderator des Forums dieselben Rechte wie der Lehrende, der den ILIAS-Kurs erstellt hat. Dazu gehören beispielsweise die Möglichkeit der Zensur von Forenbeiträgen oder das Löschen dieser. Neber der Anpassung der Rechte des Moderators können auch die Rechte der anderen Kursmitglieder wie bei allen anderen ILIAS-Objekten erweitert werden.

In den allgemeinen Einstellungen des Forums kann zudem festgelegt werden, ob neue Forenbeiträge zunächst vom Moderator freigeschaltet werden müssen oder nicht (siehe Abbildung 5). Außerdem kann eine farbliche Kennzeichnung der Beiträge des E-Moderators erfolgen, wenn dies über die Einstellungsoption "Moderatoren-Beiträge markieren" ausgewählt ist. Die Abbildung 6 zeigt die Hervorhebung innerhalb eines Forenbeitrages.

In einem Forum in ILIAS können mehrere Themen angelegt werden, in denen Forenbeiträge erstellt werden können. Als Moderator hat man die Möglichkeit bei einer größeren Anzahl von Themen ein Thema als sogenanntes "Top-Thema" zu markieren und so den Fokus der Diskussion auf einen bestimmten Gegenstand zu legen (siehe Abbildung 7 bis 9). Daneben kann der Moderator über dieses Auswahlmenü in der Themenliste (siehe Abbildung 8) beispielsweise auch bestimmen, welche Themen bereits geschlossen werden können oder welche noch einmal geöffnet werden.

Neben der Aktivierung der Benachrichtigungsfunktion für ein bestimmtes Thema, kann auch für das gesamte Forum über die "Aktionen"-Schaltfläche eine Benachrichtigungsfunktion eingeschaltet werden (siehe Abbildung 10). Dies ist in jedem Fall eine sinnvolle Unterstützung für die Kursteilnehmer und den E-Moderator um rechtzeitig über aktuelle Beiträge informiert zu werden. Nutzer, die die Benachrichtigungsfunktion aktiviert haben, erhalten eine interne ILIAS-Nachricht über Neuigkeiten im Forum. Es besteht die Möglichkeit, dass eine automatische Weiterleitung dieser Mailnachrichten an die externe E-Mail-Adresse eingestellt werden kann.

Beim Anlegen eines Forums in ILIAS kann der Kursadministrator festlegen, ob den Studierenden die Option gegeben wird, dass diese anonym bzw. mit Pseudonynm im Forum schreiben dürfen oder ob es sich um eine personalisierte Diskussionen handelt. In der Regel findet eher der zweite Fall Anwendung in der Praxis. Damit im Forum in ILIAS dabei nicht nur das Benutzerkürzel der Kursmitglieder angezeigt wird, empfiehlt es sich, dass sowohl Lehrende als auch Studierende über das "persönliche Profil" auf dem "persönlichen Schreibtisch" in ILIAS ihren Klarnamen freischalten und im Sinne des Personalisierungsprinzips auch ein Profilbild hochladen.

Im "Text von Claudia Bremer zur eModeration" wird u.a. die Kombination des Einsatzes von verschiedenen Tools wie z.B. Forum mit Abstimmung oder Umfrage, um ein schnelles Stimmungsbild zu einem Thema einzuholen, und / oder die Nutzung der Mailfunktion (Zusammenfassungen an Teilnehmer verschicken, Teilnehmer zur Beteiligung aufrufen etc.) empfohlen.

Umsetzung in Stud.IP

Auch in Stud.IP kann ein Online-Forum in den einzelnen Veranstaltungen eingesetzt werden. Es empfiehlt sich auch im Stud.IP der Einsatz eines E-Moderators auch wenn es nicht so viele technische Unterstützungsmöglichkeiten der Begleitung gibt wie in ILIAS (z. B. besondere Rechte der Moderatorrolle, Hervorhebung der Moderatorbeiträge etc.). Dennoch kann der E-Moderator seine Funktion erfüllen, wenn dieser eindeutig benannt und seine Aufgaben auch klar in der Veranstaltung kommuniziert wurden.

Weitere allgemeine Hinweise zu didaktischen Einsatzszenarien sowie Anleitungen zur Erstellung eines Forums in ILIAS oder Stud.IP finden Sie im Wikibeitrag zum Baustein Forum.

E-Moderation im Chat

Wie bei allen Kommunikationsmedien ist die Rolle des E-Moderators auch beim Chat abhängig von der jeweiligen Zielstellung, die durch die Chatdiskussion erreicht werden soll. Mögliche Einsatzszenarien können dabei eine Ideensammlung, Pro- und Kontradiskussionen, eine Expertenbefragung oder ein Rollenspiel sein (vgl. Bremer 2000)[3]

Exemplarisch sollen nachfolgend kurz die Aufgaben eines E-Moderators skizziert werden, der die Durchführung eines Rollenspiels im Chat moderiert. Bremer (2000)[3] führt dabei an, dass es sich bei komplexeren Rollenspiele empfiehlt den Teilnehmern der Chatdiskussion bereits vor der Sitzung verschiedene Informationen zu kommen zu lassen und ggf. bereits die Rollen zu verteilen. Hat der Moderator die Sitzung eröffnet und sind die Rollen bereits besetzt, kann er die einzelnen Teilnehmer zu Eröffnungsstatements aufzufordern bzw. während der gesamten Session auf die Beteiligung aller zu achten und aber auch ggf. genügend Zeit einzuplanen damit die einzelnen Teilnehmer ihre Äußerungen im Rahmen ihrer Rolle formulieren können. Abschließend sollte der Moderator eine Zusammenfassung des Gesprächsverlauf als Anregung für eine Abschlussdiskussion geben.

Auch bei der Betreuung eines Chats hat der Moderator die Aufgabe auf die Einhaltung bestimmter Kommunikationsregeln zu achten, welche z.B. im Rahmen einer Chatiquette kommuniziert werden.

Technische Hinweise zur Nutzung des Chats in Stud.IP sowie didaktische Anregungen für verschiedene Anwendungsszenarien finden Sie hier.

E-Moderation im Rahmen einer Videokonferenz

Im Rahmen einer Videokonferenz ist insbesondere bei mehr als drei teilnehmenden Personen ein Moderator zu empfehlen, da es sonst zu Problemen bei der Koordination der Beiträge kommen kann. Daher liegt eine wichtige Aufgabe des E-Moderators in diesem Szenario auch darin Wortmeldungen zur Kenntnis zu nehmen und ggf. bestimmten Teilnehmern das Wort zu erteilen (vgl. Bremer 2000)[3]. Je nach den technischen Möglichkeiten des Videokonferenzsystems kann der Moderator auch erweiterte Rechte im Vergleich zu den anderen Konferenzteilnehmern besitzen, so dass dieser beispielsweise die Option hat die Konferenzteilnehmer zunächst "stumm" zu schalten und diese Beschränkung nach und nach aufzuheben. In den meisten Systemen steht den Teilnehmern ein integrierter Chat zur Verfügung, welcher beispielsweise genutzt werden kann um technische Schwierigkeiten zu kommunizieren. Der E-Moderator kann dann diesbezüglich unterstützend eingreifen.

Zur Strukturierung des Diskussionsverlaufes kann der E-Moderator neben Zusammenfassungen z. B. auch Zwischenabstimmungen oder Zwischenfragen einsetzen. Zu den weiteren Aufgaben des E-Moderators gehören die Eröffnung (Begrüßung, Agenda vorstellen, Vorstellungsrunde initiieren etc.) sowie der Abschluss der Videokonferenz(vgl. Bremer 2000)[3].

Weitere mögliche Anwendungsszenarien für den unterstützenden Einsatz durch einen E-Moderator

Allgemein ergeben sich bei der Arbeit mit der Lernplattform ILIAS viele weitere mögliche Tätigkeitsfelder im Rahmen der E-Moderator. Dazu gehören beispielsweise auch kollaborative Lernszenarien, die z. B. mit dem in ILIAS integrierten Wiki umgesetzt werden können. Durch verschiedene Funktionen wie die Möglichkeit einzelne Wikiseiten zu bewerten oder Kommentare abzugeben, kann der E-Moderator helfen die Inhalte zu strukturieren und durch Fragestellungen die Lernenden zur Bearbeitung anzuregen. Durch die Nachvollziehbarkeit, welcher Kursteilnehmer an welchen Seiten gearbeitet hat, können so durch den Moderator z. B. Studierende zur Partizipation aufgerufen werden.

Einzelnachweise

  1. Busch, F. & Mayer, T.B. (2002): Der Online-Coach. Wie Trainer virtuelles Lernen optimal fördern können. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
  2. Salmon, G. (2000). E-moderating: The key to teaching and learning online. London: Kogan Page.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Bremer, C. (2000): Virtuelles Lernen in Gruppen: Rollenspiele und Online-Diskussionen und die Bedeutung von Lerntypen. In: Scheuermann, F. (Hrsg.): Campus 2000, Münster, 2000, Beiträge der GMW Jahrestagung, S. 135 – 148. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Bremer_.282000.29“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Bremer_.282000.29“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Bremer_.282000.29“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.

interessante Links

http://www.bremer.cx/material/Bremer_eModeration.pdf#page=8&zoom=auto,0,467

http://www.cms.hu-berlin.de/dl/multimedia/bereiche/mlz/materialien/steckbriefe/emoderation

http://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/diskussion/e-moderation.pdf

http://online.verbundstudium.de/e-moderation/salmon.html